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Silicon Valley persönlich – zwischen Weitsicht, Wagemut und Wandel

Zehn Tage war ich im September mit meiner Tochter Antonia in der San Francisco Bay Area unterwegs. Wir wollten die Region erleben, die unsere Arbeit und unseren Alltag seit Jahrzehnten verändert. Zu unserer Studienreise gehörten Technologieunternehmen und Universitäten ebenso wie Stadtviertel, Natur und ganz gewöhnliche Alltagserfahrungen.

Am stärksten beschäftigt mich rückblickend eine Frage: Wie erkennen Menschen früh das Potenzial einer neuen Technologie? Und wie entwickeln sie daraus etwas Weltveränderndes? Im Silicon Valley begegneten uns diese Fragen immer wieder. Im Museum ebenso wie auf dem Campus und unterwegs durch San Francisco.

Im Computer History Museum fügt sich das große Bild zusammen

Der ausführliche Besuch im Computer History Museum in Mountain View war für mich einer der Höhepunkte. Frühe Rechner wie die IBM 1401 und die PDP-1 machten die Anfänge greifbar. Seit mehr als vier Jahrzehnten erlebe ich den Aufstieg des Computers selbst mit. In meinem beruflichen Umfeld habe ich diese Entwicklung auch mitgeprägt. Im Museum fügten sich eigene Erinnerungen und technische Meilensteine zu einem großen Bild zusammen.

Apple II. Darauf habe ich mein erstes Computerprogramm geschrieben.

Besonders beeindruckten mich die Menschen hinter diesen Maschinen. Herausragende Ingenieure erkannten Möglichkeiten lange vor dem Entstehen eines breiten Marktes. Unternehmer mussten Entscheidungen mit offenem Ausgang treffen. Mitunter setzten sie die Zukunft ihres Unternehmens auf eine neue Technologie. Alles oder nichts. Diese Verbindung von Weitsicht und Wagemut hat mich beschäftigt.

Rückblickend erscheinen erfolgreiche Entwicklungen oft zwangsläufig. Vor den Exponaten wurde mir erneut bewusst, wie wenig selbstverständlich sie damals gewesen sein müssen. Eine Idee musste technisch funktionieren, finanzierbar sein und schließlich Menschen überzeugen.

Darin erkenne ich eine Parallele zur heutigen KI-Entwicklung. Wieder werden grundlegende technische Möglichkeiten erweitert. Wieder stehen Unternehmen vor weitreichenden Entscheidungen: Wann investieren wir? Welche Fähigkeiten brauchen wir? Welche bisherigen Annahmen müssen wir aufgeben? Der Blick zurück hilft mir, die Tragweite solcher Entscheidungen besser einzuordnen.

Den Spirit vor Ort erleben

In San Francisco, Berkeley und Stanford haben Antonia und ich diese Atmosphäre intensiv aufgenommen. Auf den Universitätscampus waren wissenschaftlicher Anspruch und die Bedeutung von Bildung unmittelbar präsent. In Berkeley gehörte auch eine Mittagspause in der Cafeteria dazu. In Stanford nahmen wir uns Zeit für den Campus, die Memorial Church und das Umfeld.

In San Francisco führten uns unsere Wege zu den Standorten von Anthropic und OpenAI. Wir betrachteten sie von außen und erkundeten die umliegenden Viertel. Im South Park erlebten wir zufällig zwei Interviews beziehungsweise Bewerbungsgespräche unter freiem Himmel. Eine kleine Beobachtung, die für uns viel von der Arbeitswelt vor Ort vermittelte.

Die Technologie blieb dabei nicht abstrakt. Bei unseren Waymo-Fahrten saßen wir in einem fahrerlosen Auto. Es brachte uns durch die Stadt. Über diese Entwicklung hatten wir seit Jahren gelesen. Nun wurde sie zum ganz normalen Teil unseres Tages. Gerade diese Verbindung von großer Idee und praktischer Nutzung fand ich eindrucksvoll.

Zwei Technologiegenerationen auf einem Firmenschild

Am Meta-Campus genügte ein Blick auf die andere Seite des Firmenschilds. Vorne Meta. Hinten Sun Microsystems. Zwei Namen und zwei Epochen am selben Standort. Das Sun-Logo wurde bewusst auf der Rückseite belassen. Es sollte als ständige Mahnung dienen: Auch ein einst führender Technologiekonzern kann seine Stellung verlieren. Wer erfolgreich bleiben will, muss sich weiterentwickeln.

Für mich war das mehr als ein bemerkenswertes Fotomotiv. Suns Aufstieg gehört zu jener Computergeschichte, die ich selbst miterlebt habe. Zugleich führte das Schild gedanklich zurück zu unserem Besuch in Stanford. Schon der Name Sun geht auf das Stanford University Network zurück. Eine dort entwickelte Workstation wurde zur technischen Grundlage des Unternehmens.

So standen Forschung und unternehmerischer Aufbruch plötzlich neben der Vergänglichkeit großer Namen. Das alte Logo ist keine versteckte Randnotiz. Es hält den Wandel sichtbar. Für mich steckt darin eine klare Botschaft: Erfahrung bleibt wertvoll. Sie muss sich aber immer wieder an neuen Möglichkeiten und veränderten Anforderungen messen lassen.

Ein goldenes Tesla Cybercab mit geöffneten Türen.
Tesla Cybercab -steht kurz vor der Einführung.

Die hohen Kosten dieser Dynamik

Zur Reise gehörten auch Eindrücke, die nachdenklich machten. Das Preisniveau war für uns vielerorts ausgesprochen hoch. Das spürten wir bei Hotels und Restaurantbesuchen ebenso wie bei alltäglichen Ausgaben. Ein Leben in dieser Region verlangt erhebliche finanzielle Mittel.

Mein Eindruck war: Spitzenleistung und wirtschaftlicher Erfolg scheinen hier fast zur Eintrittskarte für ein gutes Leben zu werden. Gleichzeitig wäre es zu einfach, finanzielle Sicherheit allein als Ergebnis persönlicher Leistung zu betrachten. Auch Menschen mit täglich wichtigen Aufgaben müssen mit diesen Kosten zurechtkommen.

Café trinken im Bioladen? Geht dauerhaft ins Geld.

Die Fahrten durch unterschiedliche Stadtviertel, Einkäufe und Besuche in Recycling Centern gehörten deshalb für mich genauso zur Reise wie die bekannten Firmengelände. Sie zeigten uns einen Alltag jenseits der großen Technologiegeschichten

Was ich für unsere Arbeit mitnehme

Aus dieser Reise nehme ich vor allem Energie und einen geschärften Blick mit. Technologische Entwicklungen verdienen Aufmerksamkeit, bevor ihre Auswirkungen im eigenen Unternehmen unübersehbar werden. Zugleich braucht jede Investition eine konkrete Vorstellung davon, welchen Nutzen sie schaffen soll.

Für unsere Arbeit heißt das: vorhandenes Wissen und funktionierende Anwendungen ernst nehmen, neue Möglichkeiten praktisch erproben und Entscheidungen rechtzeitig treffen. Bei KI ebenso wie bei der Weiterentwicklung bestehender IT-Plattformen.

Besonders wertvoll war die Reise gemeinsam mit Antonia. Sie studiert Wirtschaftsingenieurwesen und arbeitet gerade an ihrer Masterarbeit. Für ihre Generation wird der Umgang mit Wandel eine zentrale berufliche Aufgabe. Mir war wichtig, ihr diese Dynamik vor Ort näherzubringen. Die Weitsicht der Ingenieure im Museum und das Sun-Logo zeigen zwei Seiten derselben Geschichte. Neues kann Großes ermöglichen. Erfolg bleibt trotzdem keine Selbstverständlichkeit. Zwischen meiner langjährigen Erfahrung und ihrem Blick nach vorn entstanden viele Gespräche. Sie werden uns sicher noch lange begleiten.

Stefan Ehmig
Welche Entwicklung beschäftigt Sie gerade in Ihrer IT? Ich freue mich auf den Austausch.

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